Natur
macht glücklich und gesund
Immer mehr Studien belegen, dass der Kontakt mit intakter Natur und Naturmomente
uns Menschen helfen, gesund, glücklich und zufrieden zu sein.
Zum Glück gibt’s Grün
Grün macht glücklich, gesund und leistungsfähig
Grünflächen erfüllen vielfältige Funktionen für Naturhaushalt, Landschaft, Biodiversität und Klimaschutz, aber auch -und das wird oft kaum bedacht- für Gesundheit und Wohlbefinden jedes einzelnen von uns: Menschen, die Grün erfahren und naturverbunden sind, sind glücklicher, zufriedener, seltener depressiv, aber psychisch und mental stabiler.
Ohne Grün geht es nicht. Vor Jahren hatte ich das Glück und Privileg, die Antarktis zu erkunden. Polarmeer, Eisberge, karge Landschaften mit Gletschern, Felsen, Eis. Neben atemberaubenden Begegnungen mit Pinguinen, Albatrossen, Seeelefanten und Walen sind mir zwei Erlebnisse in besonderer Erinnerung: Die Fototapete eines übergroßen Forsythienstrauches im Speisesaal einer Forschungsstation und die Rückkehr nach Feuerland. Als ich dort von Bord ging wurde mir klar, was uns im ewigen Eis gefehlt hatte: Grün! Wie süchtig sog ich Landschaft, Bäume, Blätter in mich auf.
Grün in jeglicher Form ist lebenswichtig. Vor allem für eine Menschheit, die bis 2050 zu fast 70 Prozent in Städten leben wird. Global sind Städte und Vorstädte die am schnellsten wachsenden Landnutzungsformen. Auch in einer zunehmend urbanisierten Welt werden Begegnungen und Erfahrungen von und mit Natur essentiell sein. „Grün-Räume“ werden mittlerweile als ebenso elementare Infrastruktur bewertet wie Strom, Trinkwasser und Kanalisation.
Die Vorteile von Stadtbäumen, Fassaden- und Dachbegrünung, Gärten und Anlagen sind vielfältig. Durch Bindung von Luftschadstoffen wie CO2 und Feinstaub halten sie die Luft sauber und produzieren lebenswichtigen Sauerstoff. Das aufgeheizte Stadtklima wird durch Beschattung und Verdunstung gekühlt und profitiert von Frischluft- bzw. Kaltluftquellen und Windschutz. Grüne Inseln mildern Hitze und fördern die Klimaresilienz der Stadt. Begrünte Flächen nehmen zehnfach weniger Sonnenenergie als versiegelte Flächen, mindern Lärm durch Schallabsorption, sparen Energie ein und verhindern durch Schatten Hautkrebs.
Grüne Vegetation ist Heimat und Lebensqualität für Menschen und Natur. Vögel, Insekten und andere Tiere fühlen sich dort ebenso wohl wie der Mensch, der hier attraktive Orte und Rückzugsräume mit hoher Aufenthaltsqualität für Erholung und Naturbegegnung findet. Grüninseln sind ästhestisch für‘s Auge: Grün-bunt statt grau. Ein Netz an Grünflächen verknüpft Lebensräume und fördert so den Natur- und Artenschutz. Starkregen wird durch die höhere Wasseraufnahmekapazität auf Sicker- und Retentionsflächen abgemildert und die Bodenqualität verbessert.
Ob Garten, Anlage, Park oder Stadtwald - die Natur um uns hat tiefgreifende Einflüsse auf Gesundheit und Wohlbefinden jedes Einzelnen von uns. Auch wenn die Forschung noch am Anfang steht, erkennt die Wissenschaft zunehmend die gesundheitsfördernden Co-Benefits, die der Erhalt von Landschaft, Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen für uns alle hat. Sie können Wohlbefinden verbessern, Menschen gesund erhalten und damit enorme Therapiekosten einsparen.
Was machen Naturkontakte mit uns? Naturnähe verschafft Naturerlebnisse. Seien es Begegnungen mit Wildtieren im Garten, Park oder Wald oder die Laubfärbung im Wandel der Jahreszeiten. Indem wir daran teilhaben, entstehen Natur- und Artenkenntnisse. Besondere Bedeutung haben positive Wildtierbegegnungen. Zu Singvögeln und Großsäugern fühlen wir uns besonders hingezogen. Nicht ohne Grund erfreuen sich Futterhäuser, Nistkästen, Zoos und Wildparks großer Beliebtheit.
Nicht zu unterschätzen ist der sensorische Input aus der Natur. Statt Lärm und Großstadtgetriebe brauchen wir zwingend sinnliche Erfahrungen wie bunte Laubfarben, Blütendüfte und angenehme Geräusche wie Bachplätschern, Vogelgesang oder Meeresrauschen. Naturbegegnungen lassen uns zur Ruhe kommen, abschalten, entspannen. Doch mehr noch: Naturnähe beeinflusst unsere Stimmungen und Emotionen. Menschen, die mit der Natur leben sind glücklicher, zufriedener mit ihrem Leben, haben eine positive Lebenseinstellung, bewältigen ihr Leben besser und erkennen Sinn und Zweck im Dasein. Menschen, die 120 und mehr Minuten jede Woche in der Natur verbringen, fühlen sich deutlich wohler und gesünder. Mental wirkt Naturnähe stabilisierend, reduziert Stress und wirkt nachweisbar gegen Depressionen. Geistiges Wohlbefinden, Erinnerungsvermögen und Aufmerksamkeit werden gefördert. Und individuelles Wohlbefinden schlägt sich in positiven gesellschaftlichen Beziehungen nieder und fördert Zusammenhalt und Engagement. In Betrieben kann eine Pause im Grünen oder am Teich die Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität fördern.
Wer regelmäßig in der Natur unterwegs ist, ist körperlich aktiver. Naturverbundenheit fördert den körperlichen Ausgleich durch mehr Bewegung, sei es beim Joggen, Gärtnern oder Wandern. Mobilität im Grünen hat messbar positive Einflüsse auf die individuelle Gesundheit. Studien bescheinigen normalere Blutdruckwerte, einen besseren Schlaf und ein geringeres Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen, Ängste und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). Stress wird wirksam reduziert. Spezielle Patientengärten helfen sogar heilen. Die positiven Effekte abwechslungsreicher Gärten auf Patienten in Kliniken, Seniorenheimen und Demenzstationen sind seit langem bekannt.
Naturverbundene Menschen sind in unserer leistungsbezogenen Gesellschaft keineswegs leistungsschwache weltfremde Tagträumer. Studien stellten fest, dass Naturverbundenheit neben der Aufmerksamkeit auch Fantasie und Kreativität fördert und Lebensaufgaben besser bewältigen lässt. Bei Kindern waren sogar bessere Schulleistungen nachweisbar.
Gesellschaftlich spielen jedenfalls die Verfügbarkeit und in angemessener Zeit und Entfernung erreichbare Grün-Räume eine noch weitgehend unterschätzte Rolle für die öffentliche Gesundheit. Als besonders wichtig wurden Wildnisgebiete, Wälder, Straßenbäume und Gärten erkannt. Stadtbewohner, die über zehn Minuten pro Woche in Gärten mit 15 Prozent Vegetationsdecke verbringen haben weniger Depressionen. Man sollte mindestens einmal, idealerweise vier bis fünf Mal pro Woche im Garten sein. Dabei ist die Häufigkeit der Aufenthalte entscheidender als deren Dauer, denn bei Naturbegegnungen macht‘s manchmal der Moment… Bemerkenswert sind Erfahrungen mit Stadtbäumen. Nur zehn Bäume mehr in einem Wohnblock verändern das Wohlbefinden nachhaltig: Befragte Anwohner fühlten sich gesünder und um Jahre jünger. Ihre Gesundheitswahrnehmung war dank der Bäume ebenso gut, wie wenn sie ein um 10 000 Dollar höheres Einkommen erhalten würden.
Da Planungen und Entscheidungen oft über Jahrzehnte in die Zukunft wirken, fordern Forschende seit Jahren eindringlich, diese wichtigen Aspekte für Gesundheit und Gesellschaft unbedingt bei Planungen zur Landnutzung, Stadtentwicklung und dem Umweltmanagement mehr zu berücksichtigen und beklagen eine Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und politischer Umsetzung z. B. bei der Begrünung von Städten – obwohl mit teilweise einfachen Maßnahmen gleichzeitige Effekte für Gesundheitsförderung, Arten- und Klimaschutz erzielbar werden können. Entscheidungsträger und Planer, aber auch Garten- und Grundstückseigentümer tragen große Verantwortung in einer zunehmend urbanisierten Welt ausreichend grüne Freiräume zu erhalten, zu schaffen und zu unterhalten – für gesündere Menschen und eine vielfältigere Natur.
(C) Stefan Bosch
Vogelgesang
fördert Erholung und Wohlbefinden
Vögel bezaubern uns Menschen mit ihrem atrraktiv gefärbten Gefieder, interessanten Verhaltensweisen und im Frühling ganz besonders mit ihren Gesängen. Studien zeigen, dass Naturerfahrungen wie Vogelspaziergänge im Park überaus positive Effekte auf unsere physische und psychische Gesundheit und unser Wohlbefinden haben. Stressindikatoren wie Cortisol, Herzfrequenz und Blutdruck sind nach Vogelspaziergängen messbar niedriger und Emotionen nachweislich höher. Im Playback-Versuch zeigt sich, dass es echte Vögel und echte Vogelgesänge sein müssen und keine "Tonkonserven". Eine vielfältige und erlebbare Vogelwelt sind also auch ein Baustein für unsere Gesundheit, ein Grund mehr, sie nicht nur um ihrer selbst willen sondern auch in unserem Interesse zu schützen!