Wildvogelkrankheiten

Informationen zu häufigen Krankheiten unserer Gartenvögel,
denn auch Vögel können krank werden!

Nachfolgend werden einige häufig bei Gartenvögeln anzutreffende Vogelkrankheiten beschrieben, um eine kurze Orientierung zu geben.

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Auffällige Vögel bitte melden

Seit über 15 Jahren sammle ich bundesweit Beobachtungsmeldungen von auffälligen Gartenvögeln. Falls Sie einen Fall melden möchten, schreiben Sie mir am besten mit einem Foto an [email protected].

Vogelpocken (Meisenpocken)

Seit gut zwei Jahrzehnten mehren sich in Europa die Hinweise auf tumorartige Wucherungen bei Kohlmeisen, Heckenbraunellen und anderen Meisen- bzw. Vogelarten. Beobachtungen liegen inzwischen aus Osteuropa und dem Balkan, aus Mitteleuropa sowie den Britischen Inseln vor.
Meistens befinden sich bei Kohlmeisen die mitunter monströsen, erbs- bis gut haselnussgroßen Wucherungen an Kopf und Hals, gelegentlich auch an Brust, Bauch, Beinen und Flügeln. Am Kopf können Vogelpocken je nach Lokalisation die Nahrungsaufnahme und das Sehen beeinträchtigen. Nicht selten sind mehrere Vögel gleichzeitig betroffen. Vogelpocken treten nach unseren Erhebungen bundesweit und ganzjährig auf. Die meisten Fallberichte erreichen uns zwischen Oktober und April, was möglicherweise mir der erhöhten Aufmerksamkeit gegenüber Futterhausbesuchern zusammenhängen kann.
Die Erkrankung wird durch Avipox-Viren ausgelöst, die durch Stechmücken und an Oberflächen von Vogel zu Vogel übertragen werden. Die Infektion läuft über mehrere Wochen mit zunehmendem Wachstum der Pocken und kann danach ausheilen, d.h. die Pocken fallen ab und die Hautstelle verheilt (wie mehrere Fallberichte inzwischen bestätigen, einen gut dokumentierten Fall bei Heckenbraunellen haben wir veröffentlicht). Eine Gefahr für Mensch und Haustiere besteht nicht, da die Vogelpocken -wie der Name schon sagt- Vögel betrifft. Auf Zier- und Nutzgeflügel können Vogelpocken übergehen. Vogelpocken treten weltweit bei zahlreichen und unterschiedlichsten Vogelarten auf.
Eine direkte Hilfe (Medikamente etc.) für betroffene Vögel ist meistens nicht möglich. Man kann die Vögel mit Futter- und Wasserangeboten im Garten unterstützen. Hier haben sie oft trotz ihres Handicaps gute Chancen, ihre Infektion zu überstehen. Ein Einfangen würde zusätzlichen Stress für den Vogel bedeuten.
Vogelpocken sind bei tierärztlich bestätigter Diagnose meldepflichtig. Allerdings sammeln wir seit Jahren Beobachtungsmeldungen, um einen genaueren Überblick über die Verbreitung der Krankheit zu bekommen.
Ähnlichkeit mit den Vogelpocken können die flüssigkeitsgefüllten Zysten der Trematode Collyriclum faba haben, die sich an Bauch und Bürzel von Singvögeln finden können. Der Erreger entwickelt sich in einem komplexen Zyklus, an dem auch eine Wasserschneckenart beteiligt ist. Eventuell kann auch die Kalkbeinräude zu ähnlich aussehenden Fußveränderungen führen.
 

Vogelpocken bzw. Meisenpocken 

Symptome: Geschwüre bis Haselnussgröße, vor allem an Augen und Schnabelbasis, seltener auch an Flügeln, Beinen, Bauch und Kloake möglich, Farbe variabel, können bluten 

Betroffene Arten: weltweit 400 Vogelarten, in Mitteleuropa zunehmend Kohl- und andere Meisen 

Ursache: Avipoxviren, Verbreitung über stechende Insekten, an Sitzstangen, von Vogel zu Vogel 

Auftreten: ganz Mitteleuropa, im Spätsommer, Herbst und Winter 

Hilfe: keine gezielte, bei vermehrten Fällen unbedingt Futterstellen schließen 

Bemerkungen: vorbeugend Futtersilos verwenden, Futtergeräte regelmäßig reinigen; Vogelpocken können abheilen und hinterlassen dann Narben, keine Gefahr für Menschen bekannt.

 Kohlmeise (Parus major) aus unserem Beringungsprojekt mit Vogelpockenbefall am Flügel (große Geschwulst mit Blutung) und unter dem Schnabel (beginnenden kleine Pocke. Der Vogel hielt sich mehrere Tage bei uns auf und verhielt sich normal. 

Amselsterben infolge einer Usutu-Infektion

Symptome: zerzaustes, ungepflegt wirkendes Gefieder, Apathie, Torkeln, Schwanken, zur Seite fallen, fehlender Fluchtreflex, wässriger Kot
Betroffene Arten: vorwiegend Amseln, seltener auch andere Arten (u.a. Eulen)
Ursache: Usutuvirus, verschiedene Varianten in Europa, übertragen durch Stechmücken
Auftreten: regional unterschiedlich, abhängig von feucht-warmem Sommerwetter, das die Stechmücken und Viren sich gut vermehren lässt
Hilfe: keine gezielte, lediglich vogelfreundlicher Garten, Stechmückenvermehrung in Wassersammelgefäßen verhindern 

Geschwollene Finkenfüße:

Quasten- oder Finkenfuß

Symptome: knollig geschwollene Zehen und Beine, oft beidseitig 

Betroffene Arten: Buchfink und andere Finkenvögel 

Ursache: Papillomaviren oder Milben 

Auftreten: wird oft am Futterhaus entdeckt 

Hilfe: keine, Hygiene am Futterhaus 

Finkensterben: Tote Vögel am Futterhaus

 

Symptome: gehäuft tote Finkenvögel an Futterstellen oder in Gärten
Betroffene Arten: meistens Grünfink, aber auch andere Finken wie Buchfink, Gimpel
Ursache: Trichomonaden
Auftreten: wird lokal an Futterstellen übertragen
Hilfe: Hygiene am Futterplatz, bei Todfunden umgehend Fütterung einstellen!
Bemerkungen: Eine der Ursachen für den Rückgang beim Grünfinken 

Blaumeisensterben (Sutunella)

 

Symptome: aufgedunsene, apathische Vögel 

Betroffene Arten: Blaumeisen 

Ursache: Sutunella ornithocola (Bakterium) 

Auftreten: ganz Europa, kleinere Aus-brüche mit Todesfällen, 

Hilfe: keine, Hygiene am Futterplatz und an Vogeltränken

 Schnabeldeformitäten durch AKD oder Verletzungen

 

Symptome: überkreuzte, säbelartig verbogene oder extrem überlange Schnäbel
Betroffene Arten: verschiedene Arten, unter anderem Poecile-Meisen, Krähen
Ursache: Avian Keratin Disorder (AKD) infolge Virusinfektion
Auftreten: sporadisch, weltweit bei vielen Arten
Hilfe: keine
Bemerkungen: manche Vögel überleben mit dem Handikap erstaunlich lange
 

Schwarze Vögel mit weißen Federn

 

Symptome: eine oder mehrere weiße oder verwaschen helle Federn im schwarzen Federkleid 

Betroffene Arten: oft schwarze Rabenvögel 

Ursache: unklar, Federfehlfärbung durch Melaninmangel oder zonal gestörte Federbildung (Hungerstreifen) vermutlich infolge Ernährungsstörungen 

Auftreten: öfters bei Rabenvögeln in Siedlungen 

Hilfe: keine 

Bemerkungen: in den meisten Fällen handelt es sich nicht um Albinismus! 

Körperschwellungen infolge Luftsackriss

 

Symptome: abnorme Schwellungen oft im Hals-Nackenbereich, dadurch auffällig Fehlhaltung von Kopf, Buckelbildung mit abnormal nach vorn-über gebeugtem Kopf
Betroffene Arten: verschiedene Arten
Ursache: Verletzung des komplexen Luftsacksystems mit Luftaustritt in die Haut, dadurch Schwellungen
Auftreten: sporadisch, durch Unfälle wie Glasanprall, Fahrzeugkollision, Beutegreifer oder Krankheiten
Hilfe: kann ausheilen, bei Zuchtvögeln wird die Luft vom Tierarzt abpunktiert
Bemerkungen: Glaskollisionen verhindern! 

 Hinweise und Tipps


Beobachten Sie ihre Gartenvögel und Gäste am Futterhaus aufmerksam und achten sie auf auffällige Symptome. 

Machen Sie wenn möglich Digitalfotos von betroffenen Vögeln. Oft kann man bereits anhand der Fotos Probleme erkennen. 

Verständlicherweise möchten viele Menschen den betroffenen Vögeln helfen. Das ist aber oft nicht oder kaum möglich, da es keine gezielten Behandlungsmöglichkeiten gibt oder das Einfangen des Vogels zusätzlichen Stress bedeuten würde.  Offensichtlich verletzte Vögel sollten eingefangen und einem Tierarzt oder einer Wildtoerpflegestation vorgestellt werden. Auf jeden Fall kann man dem Vogel etwas Futter und eine Wasserschale anbieten. Grundsätzlich hilft ein naturnaher, vogelfreundlich gestalteter Garten allen Vögeln. 

Für manche Symptome bestehen Meldemöglichkeiten. Anhand dieser Meldungen kann man einen besseren Überblick zum Geschehen, zur Ausbreitung und zum räumlichen und zeitlichen Auftreten gewinnen. 

Sofern Sie betroffene Vögel tot auffinden, eignen sich diese besonders im frischtoten Zustand sehr gut zu Post-mortem-Untersuchungen, die genauen Aufschluss über die Krankheit und Ursachen ergeben kann. Greifen sie den Vogel mit einer umgestülpten, über die Hand gezogenen Plastiktüte, verschließen Sie diese und frieren Sie den verpackten Vogel in der Tiefkühltruhe ein. Untersuchungen führen die örtlich zuständigen Veterinäruntersuchungsämter oder spezielle Institute und Forschungseinrichtungen durch. 

Tote Vögel, die nicht eingesammelt werden oder bereits weit verwest sind, ebenfalls mit einer Plastiktüte greifen und im Hausmüll entsorgen. 

Nach allen Tätigkeiten gründlich die Hände mit Wasser und Seife waschen und ggf. desinfizieren (Hygiene- und Vorsichtsmaßnahme). 

Beim Verdacht auf eine Infektionskrankheit empfiehlt es sich, Futterplätze und Vogeltränken umgehend stillzulegen, gründlich mit Wasser, Seifenlauge und Bürste zu reinigen und trocknen zu lassen und eine Fütterpause für zwei bis vier Wochen einzulegen. 
An Futterstellen und Vogeltränken die allgemeinen Hygieneregeln beachten.