Weshalb Naturmomente?

Gedanken und Hintergründe 


Naturmomente sind die Augenblicke, in denen uns Tiere, Pflanzen, Landschaften und Naturphänomene in ihrer Einmaligkeit, Vielfalt, Schönheit und Komplexität begegnen. 
Aus solchen inspirierenden Begegnungen entstehen die Beiträge zur Serie „Naturmomente“, die in loser Folge seit 2022 auf der Homepage des Naturparks Stromberg-Heuchelberg und anderen Medien erscheinen. Jeder Moment greift in Text und Bild einen Aspekt auf und macht ihn mit kurzen, sorgfältig recherchierten Informationen und unter Einbeziehen aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse bewusst und verständlich. 

Jedem Naturmoment liegt die Faszination für alles Lebendige zugrunde, aber auch die Mahnung, dass Natur in ihrer Vielfalt einmalig, unersetzbar und durch unseren derzeitigen Lebensstil in hohem Maße gefährdet ist. Nur wenn wir Biodiversität, die Vielfalt alles Lebendigen kennen, verstehen und schätzen können wir sie auch bewahren - um ihrer selbst willen und als unsere einzige, einmalige, unverzichtbare Lebensgrundlage. Naturmomente gibt es unendlich viele. In der Fülle der Themen bestätigt sich eindrucksvoll die Vielfalt in der Natur. 
 

Die Natur ist doch das einzige Buch,
das auf allen Blättern großen Gehalt bietet.
(Johann Wolfgang von Goethe) 

 
Naturmomente begegnet man im Großen wie im Kleinen, den unscheinbaren und leicht übersehbaren Naturdetails, denen gegenüber den großen, charismatischen Arten leider oft wenig Aufmerksamkeit zuteil wird und die selten im Rampenlicht stehen. Naturmomente gibt es überall, nicht nur in Schutzgebieten und grandiosen Landschaften, viele finden sich ganz einfach direkt vor unserer Haustüre! 

In den kleinsten Dingen zeigt die Natur die allergrößten Wunder.
(Carl von Linné) 

 
Naturmomente erschließen sich nur selten im Grellen und Lauten, sie kommen oft dezent und leise daher. Man muss offen und aufmerksam sein, damit sie sich offenbaren. 
 

Die Natur spricht leise, du musst nur sehr genau zuhören.
(Ralph Waldo Emerson) 

 
Naturmomente fördern unser Wissen und Verstehen durch Sehen, Hören, Riechen, Fühlen, Beobachten, Erleben. Naturmomente vermitteln auch komplexere Details und räumen den Themen den erforderlichen Raum für Erläuterungen und Zusammenhänge ein. Viele Aspekte in der Natur sind komplex, verwoben und erfordern Hintergrundwissen und erscheinen dann oft in einem ganz anderen Licht. Naturmomente zu erläutern, benötigt in unserer schnelllebigen Zeit Raum und Zeit für erklärende Ausführungen. 
 

Die Freude am Sehen und Verstehen ist das schönste Geschenk der Natur.
Schau dir die Natur an und du wirst alles verstehen.
(Albert Einstein) 

 
Nicht zuletzt fördern Naturmomente unser Wohlbefinden, Freude, Glück, Zufriedenheit, Ausgeglichenheit sowie die psychische wie physische Gesundheit. Das bestätigen in jüngster Zeit zahlreiche wissenschaftliche Studien aus vielen Ländern und Kulturen unserer Welt. 
 

Die Natur ist der Schlüssel
zu unserer ästhetischen, intellektuellen, kognitiven und sogar spirituellen Zufriedenheit.
(Edward O. Wilson) 

 
Naturmomente sind Erleben, Staunen, Faszination an allem Lebendigen. Sie haben interessante, erstaunliche, faszinierende Facetten, aber auch dramatische, erschütternde, nachdenklich machende. Denn man kommt nicht umhin, auch das Verschwinden der Natur zu beleuchten. Wenn man sich intensiv ein Leben lang mit der Vogelwelt, Kleinsäugern und Naturschutz befasst hat, werden die rasanten Verluste an Arten und Lebensräumen deutlich, die Rettung und Rückkehr fast ausgerotteter Arten bei weitem überwiegen.

If you take care of birds,
you take care of most of the environment problems in the world
(Thomas Lovejoy) 

 
Jeder Naturmoment ist auch eine Mahnung. Unsere Erde befindet sich aktuell in einer tiefen Biodiversitäts- und Klimakrise, die vor allem unsere eigene Zukunft in Frage stellt. Denn ohne eine gesunde Umwelt stehen unsere Existenzgrundlagen zur Disposition. Obwohl wir diese Zusammengänge ziemlich gut verstehen und Optionen zum Gegensteuern kennen, handeln wir wider besseres Wissen weiterhin dagegen. Bedauerlicherweise werden weder die Dramatik und Dynamik noch die Tragweite und Folgen dieser Krisen von Gesellschaft und Politik kaum realisiert und schon gar nicht mutig, zielorientiert und nachhaltig angegangen. Diskussionen und Diskurse werden aktuell von wenig Interesse, Verständnis, Empathie, Rücksicht und Toleranz für unsere Mitgeschöpfe und Lebensgrundlagen bestimmt.
 

Es ist schwer, ehrenamtlich die Welt zu retten,
wenn andere sie hauptberuflich zerstören. 
(Eckart von Hirschhausen) 

 
Vermutlich ist das Leben auf unserer Erde nie besser erforscht und verstanden worden als jetzt, vermutlich sind wir die erste und einzige Art, die ziemlich detailliert weiß, was sie zur Erhaltung ihrer eigenen Lebensgrundlagen tun und besser lassen sollte – und trotzdem verspielen wir für den kurzfristigen und kurzsichtigen Profit unsere Zukunftsoptionen. 
 

Hier sind wir, die klügste Spezies, die je gelebt hat.
Wie können wir also den einzigen Planeten zerstören, den wir haben? 
(Jane Goodall) 

 
Eigentlich müsste es unser ureigenstes, alle Grenzen übergreifendes, gemeinsames Interesse sein, unsere Lebensgrundlagen Boden, Wasser, Luft, Landschaft, Flora und Fauna in einem für uns alle bestmöglichen Zustand zu halten und sorgsam mit ihnen umzugehen. Konzepte zur Renaturierung und einem wirtschaften mit der Natur ohne nennenswerte Einschnitte und Nachteile sind vorhanden, allein der richtungsweisende Wille fehlt, sie umzusetzen. Stattdessen zögern wir, leben von einer trügerischen Hoffnung, dass alles nicht so schlimm ist oder wird, und von einem Kredit, dessen Zinsen uns immer teurer zu stehen kommen werden. Mit jedem Zögern, Aufschieben und Vertagen gesteckter Ziele wird der Handlungsbedarf drängender, die zukünftigen Folgen gravierender und die dann notwendigen Zumutungen größer. Wir alle und jeder einzelne von uns trägt große Verantwortung und jede Entscheidung, die wir treffen, wirkt und hat Folgen. 

And if you want to save what is still beautiful in this world
— if you want to save the planet for the future generations … —
then think about the actions you take each day.
… we are part of Mother Nature. 
(Jane Godall, last words 2025) 

 
In den letzten Jahrzehnten habe ich einige Arten erlebt, die mit teilweise erheblichem Aufwand zurückgekommen sind, und wesentlich mehr Arten, die immer seltener geworden oder uns inzwischen völlig abhandengekommen sind. Trotz des Frustes über unsere Ignoranz und vieler Enttäuschungen über miterlebte Naturverluste erliege ich immer wieder der Faszination der Natur in ihrer Vielfalt. Dann setze ich mich mit Hoffnung und Zuversicht, dass er vielleicht etwas bewirken und bewegen möge, wieder an die Tastatur und schreibe einen weiteren Naturmoment…